Guardini Professur für Religionsphilosophie und Theologische Ideengeschichte

Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2015


Prof. Dr. Ugo Perone

Verständnis und Selbstverständnis der Philosophie – von der Antike bis zur Moderne

Vorlesung, Donnerstag 16 – 18 Uhr, Raum 013 in der Theol. Fakultät

Die Philosophie definiert sich wie kaum eine andere Wissenschaft durch die von ihr behandelten Themen und Probleme. Ihre Selbstdefinition hängt somit stark mit ihrer intrinsischen Motivation zusammen, von der ausgehend sie ihre Inhalte und Fragstellungen entfaltet. In der Vorlesung wird es darum gehen, mittels der Darstellung des jeweiligen Selbstverständnisses der Philosophien ein Verständnis für das philosophische Denken an sich zu erlangen und somit zugleich die Einheit als auch die Pluralität der philosophischen Denkmodelle durch die Jahrhunderte hindurch darzustellen. Die über zwei Semester konzipierte Veranstaltung möchte dabei zunächst die Denker der Antike bis zur frühen Neuzeit untersuchen (Platon, Aristoteles, Plotin, Augustin, Thomas von Aquin, Wilhelm von Ockham, u.a.) und anschließend, im WS 2015/16, die Philosophen der Moderne (Descartes, Leibniz, Hobbes, Kant, Hegel, bis zur zeitgenössischen Philosophie).

Literatur:

Zur vorbereitenden Lektüre empfohlen: Wolfgang Röd, u.a. (Hg), Geschichte der Philosophie, in 12 Bdn., Verlag C.H. Beck, München. Ausgewählte Texte, die in der Vorlesung behandelt werden, werden auch als Vorlage über Moodle bereitgestellt.

 
Paul Ricoeur »Das Selbst als ein Anderer« – Lektüre und Interpretation

Seminar, Mittwoch 14 – 16 Uhr, Raum 117 in der Theol. Fakultät

In seinem 1990 erschienenem Werk »Das Selbst als ein Anderer« entwirft der französische Philosoph Paul Ricoeur (1913-2005) eine neue Herangehensweise an die Subjektphilosophie. Ausgehend von der Selbstsetzung des Cogito Descartes’ und sich hiervon abgrenzend, entwickelt Ricoeur eine eigenständige »Hermeneutik des Selbst« (Ricoeur), die sich neben ethischen und hermeneutischen Überlegungen auch auf Fragen der praktischen Philosophie erstreckt. Wir werden uns insbesondere mit Ricoeurs Konzepten einer »personalen« und »narrativen Identität« auseinandersetzen und auf diese Weise versuchen, zentrale Grundgedanken des Werks gemeinsam zu erarbeiten. Vorkenntnisse sind keine erforderlich, jedoch die Bereitschaft zur intensiven Textlektüre und aktiver Teilnahme.

Literatur:

Paul Ricoeur, Das Selbst als ein Anderer, aus dem Frz. v. Jean Greisch, 2. Aufl., Wilhelm Fink Verlag, München 2005.

Original: Paul Ricoeur, Soi-même comme un autre, Éditions du Seuil, 1996.

 

 

Dr. Silvia Richter

Sprache und Transzendenz – Beispiele aus Literatur und Philosophie

Übung, Donnerstag 14 – 16 Uhr, Raum 330 in der Theol. Fakultät

Was haben Philosophen und Dichter gemeinsam? Es ist ihr Nachdenken über Sprache mit Sprache. Das ist einer der Gründe, warum die Philosophie so fasziniert ist von Lyrik und sich mit ihr so verbunden fühlt. Lyrische Sprache ist anders als Alltagssprache – warum? Inwiefern? Und wozu brauchen wir überhaupt noch Gedichte – oder die Philosophie? Die Übung möchte in diesen komplexen Zusammenhang zwischen Literatur und Philosophie einführen anhand ausgewählter Beispiele: Wir widmen uns u. a. Emmanuel Levinas und Maurice Blanchot, Hans-Georg Gadamer und Paul Celan sowie Romano Guardinis philosophischen Interpretationen zu Rainer Maria Rilkes »Duineser Elegien«.


Literatur zur Einführung:

Emmanuel Levinas, Eigennamen. Meditationen über Sprache und Literatur, übers. v. Frank Miething, 2. Aufl., Carl Hanser Verlag, 1988.

Maurice Blanchot, Der literarische Raum, hg. und übers. v. Marco Gutjahr, Diaphanes Verlag, 2012.

Ders., Die Schrift des Desasters, übers. v. Gerhard Poppenberg, Fink Verlag, 2005.

Hans-Georg Gadamer, Wer bin ich und wer bist Du – Kommentar zu Celans ‚Atemkristall‘, Suhrkamp, 1973.

Romano Guardini, Rainer Maria Rilkes Deutung des Daseins. Eine Interpretation der Duineser Elegien, Grünewald/Schöningh, Mainz/Paderborn 1996.