Guardini Professur für Religionsphilosophie und Theologische Ideengeschichte

Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2013

 

Prof. Dr. Ugo Perone

Die Schwelle der Zeit. Zeit und Ewigkeit

Vorlesung

Die heutige Gesellschaft hat offenkundig ein Zeit-Problem: Der Mangel an Zeit scheint jeden von uns mehr oder weniger zu betreffen und bildet zugleich das Grunderlebnis im Umgang mit ihr. „Wenn wir über Zeit sprechen, wissen wir, was das ist; wir wissen es auch, wenn ein anderer darüber zu uns spricht. Was also ist die Zeit? Wenn niemand mich danach fragt, weiß ich es; wenn ich es jemandem auf seine Frage hin erklären will, weiß ich es nicht“, schreibt Augustinus in seinen Confessiones.

Was also ist die Zeit? Muss man in Zusammenhang mit ihr von einer Substanz oder etwa von einer Relation sprechen? Stellt sie ein Produkt unseres Denkens oder eine Dimension unserer Existenz dar? Die Vorlesung wagt Antworten auf die Frage nach der Bedeutung von Zeit und Ewigkeit. Angefangen bei Aristoteles, über Augustinus und die mittelalterliche Philosophie, in der die hier ausgewählte Thematik einen zentralen Platz hatte, bis hin zu modernen Entwürfen wie denen Edmund Husserls und Martin Heideggers gibt die Vorlesung einen Überblick über das philosophische Nachdenken über die Zeit.

 
Die sechs Tage der philosophischen Schöpfung. Die Meditationen des René Descartes

Seminar

Drei Leitmotive der cartesianischen Philosophie haben das aufklärerische Denken provoziert und nachhaltig geprägt: der Leib-Seele-Dualismus („res cogitans“, „res extensa“), der auf die Verschiedenheit von Körper und Seele verweist; ein methodologisches Vorgehen, welches von der Annahme ausgeht, dass alles bezweifelbar ist, ausgenommen die Tatsache des Zweifelns selbst, und damit zum berühmten Axiom „cogito, ergo sum“ gelangt; schließlich das Prinzip der „klaren und deutlichen“ Idee („clare et distincte“), das die Notwendigkeit einer Garantieinstanz postuliert, die nicht täuscht: Gott.

All diese Elemente sind in den Meditationen zu finden. Zugleich erlebt man dort jedoch eine meditative Art zu philosophieren, den Versuch, eine in sechs Tage gegliederte Neugestaltung der Welt philosophisch zu begründen sowie die außerordentlich große Bedeutung der Freiheit für die Festlegung der Wahrheit – eben auch bei dem sogenannten Rationalisten René Descartes (1596-1650). Das Seminar setzt sich in gemeinsamer Lektüre mit den Meditationen auseinander und widmet sich den oben genannten Leitmotiven als seinem inhaltlichen Schwerpunkt.

 

Dr. Silvia Richter

Franz Rosenzweig "Der Stern der Erlösung" – Lektüre und Erklärung

Übung

Ziel dieses Lektürekurses ist es, in Franz Rosenzweigs (1886-1929) Hauptwerk „Der Stern der Erlösung“ (1921) einzuführen und die wichtigsten Aspekte dieses für die Geschichte der Existenz- und Dialogphilosophie sowie der Religionsphilosophie insgesamt zentralen Werks vorzustellen. Hierbei sollen auch die biographischen Bezüge beleuchtet werden, um Einblick in den Zusammenhang von Leben und Denken Rosenzweigs zu bekommen. An der Front des Ersten Weltkriegs entstanden, ist „Der Stern“ eine Abrechnung mit der idealistischen Philosophie von „Jonien bis Jena“, der im Anschluss an „Die Weltalter“ Schellings versucht, eine narrative Philosophie zu entwerfen. Gleichzeitig handelt es sich um ein philosophisches System im Zeichen des Davidsterns, das Judentum wie Christentum gleichermaßen die Dignität von philosophischen Kategorien zubilligt. Für den christlich-jüdischen Dialog bleibt „Der Stern“ daher bis heute ein unumgängliches Schlüsselwerk.