Generation Nachhaltigkeit

Streitgespräch

Markus Wissen vs. Ralf Fücks "Ökologisierter Kapitalismus oder Systemwandel?!" Freitag, 14.06.2013 12-13:30 Uhr ESZ 0'101

Markus Wissen

Abb.:Markus Wissen

Professor für Gesellschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt sozialökologische Transformationsprozesse an der HWR Berlin

Markus Wissen hat an der FU Berlin Politikwissenschaft studiert und anschließend in verschiedenen sozial-ökologischen Forschungsprojekten gearbeitet. Von 2008 bis 2012 war er am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien tätig. Seine Arbeitsschwerpunkte sind die sozial-ökologische Transformation von Produktions- und Konsummustern sowie die Krise und Transformation der gesellschaftlichen Naturverhältnisse. Jüngste Buchveröffentlichung: Gesellschaftliche Naturverhältnisse in der Internationalisierung des Staates. Konflikte um die Räumlichkeit staatlicher Politik und die Kontrolle natürlicher Ressourcen, Münster: Westfälisches Dampfboot, 2011. 

Beitrag und Positionen zum Streitgespräch:

In den vergangenen Jahren lässt sich eine deutliche Politisierung der ökologischen Krise beobachten. Spätestens seit der Veröffentlichung des Stern-Reports über die ökonomischen Dimensionen des Klimawandels (2006) und des vierten Sachstandsberichts des Intergovernmental Panel on Climate Change (2007) wird verstärkt über die Notwendigkeit weitgehender Reformen diskutiert. Ein wichtiger Kristallisationspunkt dieser Debatten ist das Konzept der „Green Economy“. Es beansprucht nicht nur, die ökologische Krise zu bearbeiten, sondern auch die in der Krise befindliche kapitalistische Ökonomie auf einen sozial- und umweltverträglichen Wachstumspfad zurückzuführen. Der Beitrag setzt sich kritisch mit dem Green-Economy-Konzept auseinander, plädiert für eine grundlegende Transformation der vorherrschenden Produktions- und Konsummuster und sieht in der Bekämpfung sozialer Ungleichheit sowie der Stärkung demokratischer Prozesse wichtige Ansatzpunkte hierfür.

 

Ralf Fücks
Abb.:Ralf Fücks

Vorstandsmitglied Heinrich-Böll-Stiftung

Ralf Fücks, 65 Jahre, studierte Sozialwis-senschaft, Ökonomie und Geschichte in Heidelberg und Bremen, wo auch sein politisches Wirken begann. 1989/90 wurde er als Co-Vorsitzender in den Bundesvorstand der GRÜNEN gewählt. Von 1991 bis 1995 war er Senator für Stadtentwicklung und Umweltschutz in Bremen, in der ersten Ampelkoalition der Bundesrepublik. Er ist in der hbs verantwortlich für die Inlandsarbeit sowie für Außen- und Sicherheitspolitik, Europa und Nordamerika. Außerdem betreut er das Studienwerk, die „Grüne Akademie“, einen ‚think tank‘ von Wissenschaftlern und Politikern, sowie das Archiv „Grünes Gedächtnis“. Im Februar 2013 erschien sein Buch „Intelligent Wachsen – Die grüne Revolution“ im Hanser Verlag.
 

Beitrag und Positionen zum Streitgespräch:

Wir stehen inmitten einer stürmischen Wachstumsperiode der Weltwirt-schaft. Sie wird angetrieben von den Wünschen, Ambitionen und dem Unternehmergeist von Milliarden Menschen, die auf dem Weg in die industrielle Moderne sind. Die globale Wirtschaftsleistung wird sich in den kommenden 20-25 Jahren verdoppeln. Deshalb lautet die zentrale Herausforderung der kommenden Jahrzehnte, das globale Wachstum in eine grüne Richtung zu lenken. Im Kern geht es um die Entkopplung von ökonomischer Wertschöpfung und Naturverbrauch: es geht um ressourceneffiziente Technologien, regenerative Energien, intelligente Stromnetze, neue Werkstoffe, vernetzte Stoffkreisläufe, Elektromobilität, Modernisierung des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs, Umbau der Städte, CO2-Recycling, High-Tech-Biolandwirtschaft etc.